Für das endgültige Ergebnis einer ästhetisch-plastischen Behandlung spielt nicht nur der Eingriff an sich eine Rolle, sondern auch die Zeit danach. Schonung und Erholung sind wichtig, damit die behandelten Strukturen möglichst ungestört verheilen können. Nach körperformenden Eingriffen wie einer Fettabsaugung oder einer Bauchdeckenstraffung gehört das Tragen von Kompressionskleidung unbedingt zur Nachsorge. Die spezielle Kompressionskleidung wird in der Regel unmittelbar nach der Operation angelegt und über mehrere Wochen getragen. Doch warum ist sie nach einer Bauchdeckenstraffung überhaupt von Bedeutung? Wozu dient sie und worauf sollten Patienten achten?
Was bewirkt Kompressionskleidung nach einer Bauchdeckenstraffung?
Bei einer Bauchdeckenstraffung hebt der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie die Bauchdecke an, um die Haut harmonisch straffen und darunterliegende Strukturen mitkorrigieren zu können. Diese großflächige Mobilisation und die gezielte Reduktion von Gewebeanteilen führen zwangsläufig zu Wundflächen. Eine komplette oder große Bauchdeckenstraffung ist ein dementsprechend umfangreicher Eingriff, der den Körper belastet und eine mehrwöchige Heilungsphase mit sich bringt. Zu den unmittelbaren Reaktionen des Körpers gehören unter anderem Schwellungen.
Mit der Kompressionskleidung wird ein gleichmäßiger Druck auf die Bauchregion ausgeübt. Dadurch hilft sie, das Gewebe zu stützen und zu stabilisieren. Sie entlastet innere und äußere Nähte, wodurch auch das Auftreten von Schmerzen (z. B. bei Bewegung) verringert werden kann. Dem Körper soll mithilfe der Kompressionskleidung bei der Heilung und Regeneration geholfen werden. Sie kann außerdem ein gewisses Gefühl von Halt und Sicherheit im Alltag für die Patienten vermitteln, zum Beispiel beim Aufstehen oder Gehen.
Neben der Reduktion von Schwellungen und Hämatomen trägt die Kompressionskleidung auch zur Formgebung bei. Durch den gleichmäßigen Druck werden die zuvor angehobenen Hautschichten dabei unterstützt, sich wieder an das darunterliegende Gewebe anzulegen. Das Risiko für Hohlräume, in denen sich unter anderem Serome (Flüssigkeitsansammlungen) bilden können, kann dadurch reduziert werden. Der konstante Druck kann außerdem dazu beitragen, die operierte Körperkontur während der Heilungsphase zu stabilisieren.
Kann Kompressionskleidung Komplikationen verhindern?
Kompressionskleidung ist zwar ein essenzieller Bestandteil der Nachsorge, der durchaus die postoperative Heilung unterstützt, sie ist jedoch nicht in der Lage, Komplikationen vollständig auszuschließen. Nach einer Bauchdeckenstraffung können unter anderem Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Flüssigkeitsansammlungen auftreten.
Eine mögliche postoperative Komplikation ist das bereits erwähnte Serom, bei dem sich Wundflüssigkeit in einem durch die Operation entstandenen Geweberaum ansammelt. Kompression kann dabei helfen, das Risiko für größere Flüssigkeitsansammlungen zu reduzieren, ganz auszuschließen sind Serome trotz Kompression nicht.
Wichtig ist daher: Kompressionskleidung ersetzt weder die ärztlichen Kontrollen noch gegebenenfalls notwendige weitere Maßnahmen oder eine gezielte Behandlung, falls bestimmte Komplikationen eintreten sollten.
Wie lange muss die Kompressionskleidung getragen werden?
Die Tragedauer der Kompressionskleidung ist individuell verschieden. Sie hängt unter anderem vom Umfang der OP und dem persönlichen Heilungsverlauf ab. Bei einer Bauchstraffung, die sich lediglich auf den Unterbauch konzentriert, kann sie dementsprechend etwas kürzer ausfallen als bei einer kompletten Bauchdeckenstraffung.
In der Regel sollten Sie mit einer Tragezeit von mindestens sechs Wochen rechnen. Um eine feine Narbenbildung zu unterstützen, kann es sich auch anbieten, die Kleidung auch dann noch zu tragen, wenn die OP-Wunden bereits verheilt sind. Genauere Informationen erhalten Sie im persönlichen Gespräch mit Dr. Ruß.
Darf die Kompressionskleidung zwischendurch ausgezogen werden?
Insbesondere in der anfänglichen Heilungsphase sollte die Kompressionskleidung nahezu durchgängig und konsequent getragen werden. Kurze Pausen für Körperpflege oder Reinigung der Kompressionskleidung sind kein Problem, längere Unterbrechungen sollten jedoch unbedingt vermieden werden. Konkrete Anweisungen erhalten Sie auch hier von Dr. Ruß.
Auch sollten Sie die vereinbarte Tragedauer nicht eigenständig verkürzen. Selbst wenn sich der Bauch bereits gut anfühlt und die stärksten Schwellungen zurückgegangen sind, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Kompression nicht mehr benötigt wird. Änderungen der Tragedauer sollten daher immer erst mit Dr. Ruß abgestimmt werden.
Im Verlauf des Heilungsprozesses kann es je nach Befund sein, dass die Kompression für einen gewissen Zeitraum abgelegt werden kann oder nur noch in bestimmten Situationen angelegt werden muss. Dies ist jedoch immer individuell zu beurteilen und darf erst nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Kompressionskleidung ist nur ein Teil der Nachsorge
Für eine möglichst komplikationsarme Heilung kommt es nicht allein auf die Kompressionsversorgung an. Ebenso wichtig sind körperliche Schonung, die sorgfältige Versorgung der Operationswunden und die regelmäßigen Kontrolltermine in der Praxisklinik.
Zu den weiteren Nachsorgehinweisen zählen unter anderem folgende:
- schweres Heben vermeiden
- intensive sportliche Belastungen erst nach ärztlicher Freigabe schrittweise wieder aufnehmen
- frühe vorsichtige Bewegung ist sinnvoll und Teil der Thromboseprophylaxe
- die Bauchdecke sollte möglichst entlastet werden (z. B. beim Aufstehen entsprechend abstützen)
- verordnete Medikamente und eine gegebenenfalls notwendige Thromboseprophylaxe nach ärztlicher Anweisung anwenden
- Kontrolltermine zuverlässig wahrnehmen
- auf Nikotin möglichst verzichten, da Rauchen die Wundheilung beeinträchtigen kann
- bei ungewöhnlichen oder zunehmenden Beschwerden die Praxisklinik kontaktieren
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